Leishmaniose Hilfe

Purinarme Diät


Wieviel Purin darf in einem purinarmen Hundefutter enthalten sein?

Mit dieser Frage wird jeder Hundebesitzer eines an Leishmaniose erkrankten Hundes, der Allopurinol einnimmt, konfrontiert. Nach meinem Wissensstand gibt es bis heute keine Antwort, sondern nur Empfehlungen:

  • sich an den Ernährungsrichtlinien für Dalmatiner zu orientieren
  • sich an den Ernährungsrichtlinien für an Gicht erkrankte Menschen zu orientieren.

In diesem Artikel geht es mir darum, der Antwort näher zu kommen und Möglichkeiten der Berechnung darzustellen.

Für Dalmatiner finden Sie unterschiedliche Empfehlungen für die Auswahl bei Fertigfutter (meistens Trockenfutter), z.B. einen gewissen Rohproteingehalt nicht zu überschreiten, „Barf geht gar nicht“, oder die Empfehlung, sich an den gängigen Purintabellen für Menschen zu orientieren. Das bringt in den meisten Fällen noch mehr Ratlosigkeit.

Ratschläge für gichtkranke Menschen sind z.B.: kein Bier trinken, Übergewicht abbauen, weniger Fruchtzucker essen und den Verzehr purinhaltiger Produkte wie Wurst, Innereien, Hülsenfrüchte und Fertignahrung, die Hefe enthält, einzuschränken. Eine purinarme Diät darf 500 mg Purin pro Tag enthalten, und bei einer streng purinarmen Diät werden nicht mehr als 300 mg Purin pro Tag empfohlen. Die Konsequenz daraus ist, dass gichtkranke Menschen pro Woche 2 bis 3 Mahlzeiten mit wenig Fleisch oder Fisch essen dürfen. Kann man solche Richtlinien für Hunde anwenden?

Purine sind wichtige Bausteine der Nukleinsäuren. Sie sind nicht lebensnotwendig, sondern werden vom menschlichen Körper und Hundekörper selbst gebildet. Nach dem Verzehr werden beim Menschen die Purine zu Harnsäure abgebaut und über die Nieren ausgeschieden; bei den meisten Hunderassen erfolgt ein weitergehender Abbau zu Allantoin.


Purinarm und proteinarm haben nur bedingt miteinander zu tun!

Beispiele:

  • Quark ist proteinreich – enthält Null Purin
  • Eier sind proteinreich – sehr geringer Puringehalt
  • Fleisch und Fisch sind proteinreich – Puringehalt ist unterschiedlich
  • Innereien sind proteinreich – sehr hoher Puringehalt
  • Gemüse, Obst und Getreide enthalten Protein, je nach Sorte geringe bis sehr geringe Purinmengen
  • Hülsenfrüchte sind sehr proteinreich – hoher Puringehalt

Proteine halten die Funktion der Körperzellen aufrecht und gewährleisten so die Überlebensfähigkeit des gesamten Organismus. Sie sind Bestandteile aller Komponenten des Körpers wie Muskeln, Knochen, Sehnen, Bänder, Haut, Haare, Eingeweide und Nervensystem. Sie sind weiterhin die Grundlage für die verschiedensten Enzyme, die Stoffwechselreaktionen katalysieren, und für ein funktionierendes Immunsystem bei Mensch und Hund. Sowohl Menschennahrung wie auch Hundenahrung muss dem Körper ausreichend Protein zuführen, damit der Organismus die oben genannten Strukturen aufrechterhalten kann.

Nahrungsproteine sind lebensnotwendige Bestandteile der Nahrung für Mensch und Hund!

Bei Mensch und Hund bestehen ca. 20% der Körpermasse aus Eiweiß. Proteine unterscheiden sich einmal durch die Art der am Aufbau beteiligten Aminosäureketten und im Aufbau selber. Blattartig gefaltetes Eiweiß (z.B. Haut, Haare) ist weniger gut aufzuspalten und schwerer zu verdauen. Ist es faden- oder knäuelförmig aufgebaut (z.B. Muskelfleisch), ist es leicht aufzuspalten und sehr gut verdaulich. Bei kreuzförmiger Verflechtung (z.B. Sehnen, Knochen oder bestimmten Organe wie Lunge oder Milz) ist es schwerer aufzuspalten und ebenfalls schwerer verdaulich.


Der durchschnittliche Proteinbedarf des Menschen wird mit 1g pro kg Magermasse* (Erwachsener, normale körperliche Tätigkeit) angegeben. Die menschliche Leber kann, ohne überlastet zu sein, maximal 4g Protein pro kg MM/Tag verstoffwechseln. Diese wiegt durchschnittlich 1,5 bis 2 kg, ca. 2 % der Körpermasse (70 kg Mensch). Menschliche Nahrung sollte zu 20 % aus Proteinen bestehen, mindestens jedoch zu 15 %.

*Magermasse bedeutet Körpergewicht abzüglich Fettanteil

Der Proteinbedarf des Hundes wird nach dem metabolischen Körpergewicht des Hundes berechnet und beträgt je nach Aktivität (lt. Meyer/Zentek) 3- 5 g verdauliches Protein pro kg/ KM (außer Welpen, Junghunde, trächtige und säugende Hündinnen), mehr als für Menschen empfohlen wird. Auch das Gewicht der Hundeleber ist mit 5 % Anteilen der Körpermasse höher im Vergleich zum Menschen, und es ist anzunehmen, dass diese auch mehr Protein/Tag verdauen kann, ohne überlastet zu sein.


Mensch und Hund haben einen unterschiedlichen Proteinbedarf mengenmäßig und in der Zusammensetzung (Verdaulichkeit). Da viele proteinhaltigen Nahrungsmittel Purine enthalten, ist es für mich denkbar, dass sich die täglich aufgenommenen Purinmengen (Referenzwerte) für gesunde Menschen und Hunde unterscheiden. Um festzustellen, was purinarm bezogen auf Hundenahrung bedeutet, berechne ich die Höhe des durchschnittlichen Puringehaltes einer bedarfsgerechten Futterration für einen gesunden Hund. Der Bedarf selber hängt von vielen Faktoren wie z.B. Hundegröße, Alter, Fellart, Außentemperatur, täglicher Bewegung und Zusammensetzung des Futters ab.

Meiner Meinung nach muss individuell für jeden Hund die bedarfsgerechte Proteinmenge und Futterzusammensetzung errechnet werden, daraus der Puringehalt der Tagesration bestimmt werden, um somit einen individuellen Referenzwert zu erhalten, der als Maßstab für die Purinreduzierung dient. Je nach Dosishöhe des Allopurinols kann die Purinmenge entsprechend gekürzt werden.

Beispielberechnung: 20 kg Hund, mittlere Aktivität, Energiebedarf 1230 kcal/Tag , 20 % Energie (3,5 kcal/1 g Protein-Atwater Faktor**) aus proteinhaltigen Zutaten, (150 g Rinderhack, 50 g Rinderherz, 30 g Rinderleber, 30 g Rinderniere, 40 g Rinderlunge, 100 g Möhren, 50 g Kartoffeln, 50 g Rohgewicht Reis, 1 Eigelb) ergibt ca. 69 g Protein mit einem Puringehalt (lt. Purintabelle.de) von ca. 261,1 mg Purin als individuellen Referenzwert.

Fette und Nahrungsergänzungen sind in diesem Beispiel nicht aufgelistet.

** Der Atwater Faktor ist eine Konstante für den physiologischen Brennwert

Eine weitere Möglichkeit ist, die empfohlenen Purinmengen für Gichtpatienten auf das Körpergewicht (Durchschnitt 70 kg) umzurechnen, Ergebnis verdoppeln (höherer Proteinbedarf Hund) und ausrechnen (errechneter Purinwert x KM Hund), wie hoch der Puringehalt der Tagesration ist.

Beispielberechnung: 300 mg Purindiät Mensch(70 kg) ergibt pro Kg Körpergewicht 4,29 mg Purin x 2 = 8,58 mg Purin. Hund 20 kg: metabolischer KM-Wert = 9,45741609003 x 8,28 mg Purin = 78,31 mg Purin/Tag als Referenzwert für eine purinarme Diät. Das Ergebnis einer Berechnung mit 500 mg Purin/Tag ergibt für unseren 20-kg-Musterhund 135 mg Purin/Tag.

Vergleichen wir die Berechnungen der Referenzwerte, stellen wir fest, dass ein 20 kg schwerer gesunder Musterhund pro Tag ca. 261 mg Purin aufnimmt. Laut Berechnung für die purinarme Menschendiät mit 300 mg Purin/Tag dürfte unser 20-kg-Musterhund pro Tag ca. 79 mg Purin zu sich nehmen, das sind 182 mg (70 %) weniger Purin. Berechnet mit 500 mg Purin/Tag, ergibt für den 20-kg-Musterhund 135 mg Purin/Tag , also ca. 52 % weniger Purin.

Bei einer Purin-Tagesmenge von 79 mg für einen 20-kg-Musterhund ist der Proteinbedarf nicht mehr komplett über fleischhaltige Produkte zu decken und bedarf der Zufütterung von Magerquark und Eiern, ein Kompromiss, der meiner Meinung nach nur für Extremfälle (z.B. massive Xanthinsteinbildung )zu empfehlen ist . Bei der Variante mit 135 mg Purin/Tag für den 20-kg-Musterhund kann der Proteinbedarf mit purinarmen Muskelfleischsorten gedeckt werden.

Eine Purinreduktion des individuell errechneten „Normfutters“ um 50 % (= 6,75 mg Purin/kg für Musterhund mit 20 kg) könnte ein Referenzwert sein und eine Antwort auf die Frage „was bedeutet purinarm füttern“.


Beitragsbild von Klaus Hausmann bei Pixabay

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